Artikel in der Kleinen Zeitung: Warum werde ich immer im Urlaub krank?

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Artikel in der Kleinen Zeitung: Warum werde ich immer im Urlaub krank?

Wieder wurde ich von der Kleinen Zeitung eingeladen zu einem Thema ein paar Statements abzugeben. Diesmal ging es darum, dass viele Menschen im Urlaub krank werden. Ist das wirklich so und wenn ja, warum? Sonja Saurugger hat mich dazu befragt und diesen gelungenen Artikel verfasst:

Es folgt ein Auszug des abgetippten Artikel sowie Bilder im Anschluss:

Warum werde ich immer im Urlaub krank?

Krank am Strand, depressiv im Liegestuhl: wie der Stress des restlichen Jahres im Urlaub seinen Tribut fordert.

Es könnte so schön sein: Die Sonne am portugiesischen Himmel, der Mund voll Bacalhau, der Fado im Ohr – doch die Reisebegleitung hüstelt und stöhnt unter Halsschmerzen. Passiert im Sommer 2016 – und bei Weitem kein Einzelschicksal. Laut Untersuchungen aus Deutschland wird jeder Zehnte im Urlaub krank. Grippale Infekte oder Schmerzzustände zählen dabei zu den häufigsten Beschwerden. Und der Betroffene bleibt mit der Frage zurück: Warum ist das Leben so unfair?
Die Wissenschaft hat für dieses Phänomen einen Namen gefunden: Leisure Sickness, also Freizeiterkrankung. Die Ursache dafür, dass man gerade in der schönsten Zeit des Jahres krank werden muss, ist der Stress davor, wie Immunologe Hans-Peter Brezinschek (Med Uni Graz) erklärt: „Unter Stress arbeitet unser Immunsystem schlechter, doch diese Schwachstelle wird durch die Stresshormone maskiert.“ Das Stresshormon Cortisol spielt dabei eine zentrale Rolle: Es sorgt dafür, dass wir unter Anspannung – früher auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger, heute unter dem Druck des Abgabetermins – bestmöglich funktionieren. In dieser Phase hat der Körper keine Zeit, sich mit Krankheitserregern herumzuschlagen. Das passiert erst, wenn der Stress wieder nachlässt. „Erst wenn der Stress wegfällt, kann das Immunsystem entsprechend reagieren und die Krankheitssymptome kommen zum Vorschein“, sagt Brezinschek. Mit dem Stress fällt also die Maske und es zeigt sich, welche Krankmacher im Verborgenen schlummerten.
Ein ähnliches Phänomen kennt man auch von Extremsportlern: Der Stress während der Belastung – zum Beispiel ein Marathon – führt dazu, dass das Immunsystem schlechter arbeitet. Der Marathon ist geschafft, doch in den 24 Stunden danach ist die Anfälligkeit für Infekte besonders groß.
Auf psychischer Ebene kann der plötzliche Wegfall des Alltagsstresses ebenso offenbaren, was in einem schlummert. Und auch dafür hat die Wissenschaft einen Namen gefunden: die Liegestuhl-Depression. „Menschen, die unter Dauerstress stehen, werden nervös, wenn sie plötzlich nichts tun sollen“, sagt Psychologin Doris Jeloucan (www.jeloucan.at). Für Betroffene ist es unmöglich, abzuschalten, der Gedanke „Ich muss mich jetzt entspannen“ erhöht den Druck noch weiter. Das Phänomen trifft klassische Workaholics, die ständige Anspannung mit einem euphorischen Gefühl verbinden und dauerhaft im Dopaminrausch sind.
„Wenn all die Beschäftigung im Urlaub wegfällt, kommen die Probleme hoch, die man das restliche Jahr durch Arbeit unterdrückt“, sagt Jeloucan.

Laut dem deutschen Psychologen Gerhard Zimmermann könne das das erste Anzeichen für ein mögliches Burn-out-Syndrom sein. Bemerkt man diese Symptome an sich, dann sollte man zunächst Ansprache suchen: „Das kann zunächst ein lieber Mensch sein, dem man sich anvertraut und der einem hilft, aus dem Dauerstress auszubrechen“, sagt Jeloucan. Reicht das nicht, sollte man den Weg zu einem Therapeuten suchen.

Damit der Urlaub nicht zur Krankheitsfalle wird, zählt die richtige Vorbereitung. „Man sollte schon einige Tage vor dem Urlaub kürzertreten und nicht versuchen, noch alles abzuarbeiten“, sagt Brezinschek. Ein wichtiger Erholungsfaktor sei der Schlaf: Wer einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus einhält, hilft dem Körper, mit Belastungen fertigzuwerden. Für Jeloucan zählt in der Vorbereitung auf den Urlaub: Vorfreude statt Erwartung. „Träumen Sie davon, wie schön es sein wird, nichts tun zu müssen“, rät die Psychologin. Ganz wichtig sei es, sich im Urlaub treiben zu lassen und wirklich das zu tun, worauf man selbst gerade Lust hat. „Ein ungeplanter Tag pro Woche ist die beste Burn-out-Vorsorge“, rät sie auch für den Alltag.
Erst wenn der Stress abfällt und das Entspannungssystem, der Parasympathikus, aktiv ist, können wir uns regenerieren, kreativ werden, die Erotik mit dem Partner aufkommen lassen – Urlaub haben eben.

Wenn der Stress wegfällt, kommen die Probleme hoch, die man das restliche Jahr unterdrückt.
Doris Jeloucan, Psychologin

© Kleine Zeitung, Sonja Saurugger

Wann wurde der Artikel veröffentlicht?

Im Gesundheitsmagazin der Kleinen Zeitung am 17. Juli 2017.

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Mag. Doris Jeloucan
Krenngasse 6/3/17
8010 Graz
+43 680 405 10 86
doris@jeloucan.at
www.jeloucan.at

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